Ihr könnt was erleben! | Thema: Inspiration

Herr Vormweg, jetzt hauen Sie doch mal einen raus!“ Individuelle und kreative Ideen auf Knopfdruck, bitte! Bei meiner Arbeit als Creative Director stehe ich täglich vor dieser Aufgabe. Aber woher kommen die Ideen? Wie läuft der Prozess der Ideenfindung ab? Wo finde ich neue Inspirationsquellen?

 

Mein Ideenfindungsprozess orientiert sich an dem vermeintlichen Gegenteil der Kreativität: der Wissenschaft. Das Vier-Phasen-Modell erklärt den Ablauf der Ideenfindung sehr anschaulich. Alles beginnt mit dem Auftrag des Kunden und der daraus resultierenden Fragestellung. Darauf folgt eine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik in Form der Wissens­aneignung: recherchieren, sichten, erforschen, sammeln und sortieren (Phase 1). Anschließend ist eine bewusste Entfernung von dem Thema nötig, um das Wissen reifen zu lassen und seinem Unterbewusstsein die Möglichkeit zu geben, sich auszutoben (Phase 2). Das gelingt mir persönlich am besten dann, wenn ich etwas tue, was es mir nicht erlaubt, nebenher noch andere Dinge zu tun, die meine Konzentration beanspruchen (z. B. Duschen, lange Autofahrten, Spaziergänge). Dann trifft ER mich – der GEISTESBLITZ (Phase 3). Abschließend gilt es noch, die neue Idee auf Machbarkeit zu prüfen und den Geistesblitz stetig zu optimieren (Phase 4). Dieser Prozess kann sich während einer Arbeitsphase natürlich wiederholen und weiterentwickeln, denn oftmals ist es nicht die erste Idee, die mich auch wirklich überzeugt.

Ist der Geistesblitz, der spontane Einfall der großen Idee, eine außergewöhnliche Eigenschaft, die nur wenige Menschen besitzen? Selbstverständlich nicht! Der Schlüssel zur Kreativität liegt in der Inspiration. Wer kreativ sein will, muss zunächst einmal sein eigenes Wissenszentrum befüllen, denn wo nichts ist, kann auch nichts werden.

Aber muss man dafür – wie es Film, Fernsehen oder die vielen beeindruckenden Bilder in den sozialen Medien vorleben – an das andere Ende der Welt reisen, um dort zu meditieren oder einen Berg zu erklimmen, oder sich gar wie van Gogh ein Ohr abschneiden? Ich glaube, nicht, denn täglich sehen wir und dennoch sind wir meist blind. Ein Beispiel hierzu: Wie sieht das Muster auf eurer Bettdecke aus? Könntet ihr es jetzt aufzeichnen? Wie ist die Wand eurer U-Bahn-Haltestelle gestaltet, auf die ihr täglich mehrere Minuten lang starrt? Was ich damit sagen will: Sich inspirieren lassen bedeutet letztendlich, bewusst zu sehen, mehr als nur das Offensichtliche wahrzunehmen und vor allem neugierig und offen durch die Welt zu gehen. Dazu muss man aber allem voran seine Komfortzonen – die oft das so gemütliche Sofa oder schlicht der Alltag sind – verlassen. Mein Nährboden für Kreationen ist oftmals ein langer Spaziergang mit dem Hund durch die Natur, wo ich Farben, Formen und Bewegungen wahrnehme. Aber ebenso ist mein Interesse an Kunst in jeglicher Form eine meiner größten Inspirationsquellen. Ich sehe und höre mir viele Konzerte an, tausche mich intensiv mit Menschen aus verschiedenen Branchen aus, bereise die Welt und schaue mir natürlich auch Filme an. Dabei versuche ich, die Dinge bewusst wahrzunehmen und vor allem auf die Details zu achten. So können mich kreative Bühnenkonzepte von kleineren Künstlern, die mit wenig Budget auskommen müssen, gleichermaßen inspirieren wie das herunterfallende Laub im Wald, das wie Konfetti im Sonnenlicht schimmert.

Fazit: Es muss nicht immer die Reise in ferne Länder und Kulturen sein, um seinen Horizont zu erweitern, sondern auch und gerade die Welt und die Menschen direkt vor eurer Haustür können so viel mehr als einfach nur Alltag sein. Also: aufstehen, rausgehen und die Welt bewusst erleben.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0